Hohlkreuz (Hyperlordose): Ursachen, Risiken und die besten Übungen dagegen

Hohlkreuz (Hyperlordose): Ursachen, Risiken und die besten Übungen dagegen

Ein Hohlkreuz sieht nicht nur unvorteilhaft aus – es kann auch zu echten gesundheitlichen Problemen führen. Schmerzen im unteren Rücken, Verspannungen, Bandscheibenprobleme und sogar Auswirkungen auf die Kniegelenke: Eine übermäßige Lordose der Lendenwirbelsäule (Hyperlordose) ist mehr als nur eine Frage der Ästhetik. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen ist ein Hohlkreuz haltungsbedingt – und lässt sich mit gezielten Übungen und Alltagsbewusstsein korrigieren.

Was ist ein Hohlkreuz genau?

Ein Hohlkreuz – medizinisch Hyperlordose – beschreibt eine übermäßige Vorwärtskrümmung der Lendenwirbelsäule. Eine gewisse Lordose (die natürliche Einwärtswölbung der LWS) ist normal und gesund – sie dient als Stoßdämpfer und verteilt die Belastung gleichmäßig. Problematisch wird es, wenn diese Krümmung sich verstärkt: Das Becken kippt nach vorne (Beckenkippung oder anteriorer Pelvic Tilt), der Bauch schiebt sich nach vorne, und der untere Rücken wird übermäßig belastet.

Ein Hohlkreuz tritt oft zusammen mit einem Rundrücken auf – eine Kombination, die als „Unteres Kreuzungssyndrom" (Lower Crossed Syndrome) nach Vladimir Janda bekannt ist. Dabei sind gleichzeitig die Hüftbeuger und die Rückenstrecker verkürzt, während die Bauchmuskeln und die Gesäßmuskulatur geschwächt sind. Mehr dazu: verkürzte Brustmuskeln dehnen.

Ursachen: Warum entsteht ein Hohlkreuz?

Verkürzter Hüftbeuger (Iliopsoas): Die mit Abstand häufigste Ursache. Langes Sitzen verkürzt den Hüftbeuger chronisch. Ein verkürzter Iliopsoas zieht an der Lendenwirbelsäule und kippt das Becken nach vorne – das Hohlkreuz entsteht. Bei Büroangestellten, die 8+ Stunden täglich sitzen, ist ein verkürzter Hüftbeuger fast die Regel.

Schwache Bauchmuskulatur: Die Bauchmuskeln (insbesondere der Transversus abdominis und der Rectus abdominis) stabilisieren das Becken von vorne. Sind sie zu schwach, kann das Becken nach vorne kippen, ohne dass ein Gegengewicht besteht.

Schwache Gesäßmuskulatur (Gluteus maximus): Die Gesäßmuskeln stabilisieren das Becken von hinten und unten. Bei sitzender Tätigkeit werden sie kaum beansprucht und „vergessen" ihre Funktion – ein Phänomen, das als „Gluteale Amnesie" oder „Dead Butt Syndrome" bekannt ist.

Verspannte Rückenstrecker: Die Muskeln entlang der Lendenwirbelsäule (Erector spinae) sind bei einem Hohlkreuz oft chronisch verspannt und verkürzt. Sie ziehen die Wirbelsäule zusätzlich in die Lordose.

Weitere Ursachen: Übergewicht (besonders Bauchfett), Schwangerschaft, Schuhe mit hohen Absätzen (verschieben den Körperschwerpunkt nach vorne), bestimmte Sportarten (Turnen, Ballett) und in seltenen Fällen strukturelle Veränderungen der Wirbelsäule (Spondylolisthese).

Folgen und Risiken eines Hohlkreuzes

Rückenschmerzen im unteren Rücken: Die übermäßige Lordose überlastet die Facettengelenke der Lendenwirbelsäule und die hinteren Bandscheiben-Abschnitte. Chronische Schmerzen im LWS-Bereich sind die häufigste Folge.

Bandscheibenprobleme: Das Hohlkreuz verändert die Druckverteilung auf die Bandscheiben. Die hinteren Abschnitte werden überlastet, was langfristig Bandscheibenverschleiß und -vorfälle begünstigen kann.

ISG-Beschwerden: Das Iliosakralgelenk (ISG) wird durch die veränderte Beckenstellung stärker belastet. ISG-Blockaden und -Schmerzen sind häufige Begleitbeschwerden.

Knieschmerzen: Ein nach vorne gekipptes Becken verändert die gesamte Beinachse und kann zu Kniebeschwerden führen – ein Zusammenhang, der oft übersehen wird.

Verspannungen und Kopfschmerzen: Ein Hohlkreuz im unteren Rücken wird häufig durch einen Rundrücken im oberen Rücken kompensiert. Diese Kettenreaktion kann bis in den Nacken reichen und Spannungskopfschmerzen verursachen.

Selbsttest: Habe ich ein Hohlkreuz?

Stelle dich mit dem Rücken an eine Wand. Fersen, Gesäß, Schulterblätter und Hinterkopf berühren die Wand. Nun versuche, deine flache Hand zwischen deinen unteren Rücken und die Wand zu schieben. Passt die Hand gerade so hindurch, ist die Lordose normal. Passt eine Faust oder mehr hindurch, liegt wahrscheinlich ein Hohlkreuz vor. Mehr dazu: vertiefte Kyphose Übungen.

Die 6 besten Übungen gegen ein Hohlkreuz

Übung 1: Hüftbeuger-Dehnung im Ausfallschritt

Kniestand, ein Fuß nach vorne aufgestellt. Schiebe das Becken nach vorne und leicht nach unten, bis du eine deutliche Dehnung an der Hüftbeugerregion des hinteren Beins spürst. Spanne gleichzeitig die Gesäßmuskulatur der hinteren Seite an. 30 Sekunden halten, Seite wechseln. 3 Wiederholungen pro Seite. Die wichtigste Einzelübung gegen ein Hohlkreuz.

Übung 2: Beckenkippe (Posterior Pelvic Tilt)

Im Stehen oder in Rückenlage: Kippe das Becken nach hinten, indem du das Steißbein Richtung Boden (im Stehen) oder den unteren Rücken in den Boden (im Liegen) drückst. 5 Sekunden halten, 15 Wiederholungen. Trainiert die Fähigkeit, das Becken aktiv in eine neutrale Position zu bringen.

Übung 3: Dead Bug

Rückenlage, Arme senkrecht zur Decke, Beine im 90-Grad-Winkel angehoben. Strecke langsam den rechten Arm über den Kopf und gleichzeitig das linke Bein nach unten – ohne den unteren Rücken von der Matte zu heben. Zurück in die Ausgangsposition, Seite wechseln. 3 Sätze à 10 pro Seite. Stärkt die tiefe Bauchmuskulatur und trainiert die Kontrolle der Beckenposition.

Übung 4: Glute Bridge (Brücke)

Rückenlage, Knie angewinkelt, Füße flach. Hebe das Becken, bis Oberschenkel und Rumpf eine Linie bilden. Spanne die Gesäßmuskulatur oben bewusst an, 3 Sekunden halten. 3 Sätze à 15 Wiederholungen. Reaktiviert die oft „vergessene" Gesäßmuskulatur.

Übung 5: Plank (Unterarmstütz)

Unterarmstütz, Körper bildet eine gerade Linie von Kopf bis Fuß. Achte darauf, dass dein Becken nicht durchhängt (Hohlkreuz!) und nicht zu hoch steht. 3 Sätze à 20–40 Sekunden. Stärkt die gesamte Rumpfmuskulatur – besonders den Transversus abdominis, der das Becken von vorne stabilisiert.

Übung 6: Rückenstrecker-Dehnung (Kindhaltung)

Kniestand, Gesäß auf die Fersen setzen, Oberkörper nach vorne legen, Arme nach vorne strecken. 30–60 Sekunden halten und tief atmen. Dehnt die oft verspannten Rückenstrecker und bringt die Lendenwirbelsäule in eine entspannte Position.

Haltung im Alltag korrigieren

Übungen allein reichen nicht, wenn du 8 Stunden im Hohlkreuz sitzt. Die Haltung im Alltag ist entscheidend. Achte beim Sitzen auf eine neutrale Beckenposition (nicht nach vorne kippen!), nutze eine Lordosenstütze am Bürostuhl, und stehe regelmäßig auf.

Ein Haltungskorrektur T-Shirt unterstützt dich dabei, eine aufrechte Oberkörperhaltung den ganzen Tag beizubehalten. Es wirkt auf den oberen Rücken und die Schultern – und hilft indirekt auch der Lendenwirbelsäule, weil eine aufrechte Oberkörperhaltung das Becken in eine neutrale Position bringt und ein Hohlkreuz reduziert.

Fazit

Ein Hohlkreuz ist kein Schicksal. Mit den richtigen Übungen (Hüftbeuger dehnen, Bauch und Gesäß stärken, Beckenkippe trainieren) und einer aufmerksamen Haltung im Alltag kannst du Schritt für Schritt eine neutrale Beckenposition und eine gesunde Lendenwirbelsäule zurückgewinnen. Dein unterer Rücken wird es dir danken.

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